Nieder-Wöllstadt: Rettung aus Autowrack darf 20 Minuten dauern

 

23.06.2010 - Wöllstadt (pm). »Patientenorientierte Rettung aus verunfallten Pkw« stand kürzlich auf dem Programm der Feuerwehr Nieder-Wöllstadt und des DRK-Kreisverbandes Friedberg. Im Rahmen der Fortbildung »Polytrauma-Management« begrüßte der stellvertretende Wehrführer Sven Weber rund 18 Feuerwehrmänner und sechs Mitarbeiter des DRK im Gerätehaus Nieder-Wöllstadt zunächst zu einem Frühstück.

Beim anschließenden Theorieunterricht, gehalten von Ausbilder Jochen Conrad, wurden einige Neuerungen, beispielsweise die »Golden Hour of Trauma«, angesprochen. Damit wird die Versorgungszeit eines schwerverletzten Patienten vom Unfall bis zur Behandlung in einer Klinik bezeichnet. Diese Zeit sollte eine Stunde nicht überschreiten. Hieraus ergibt sich, dass die Befreiung aus einem Pkw und die Versorgung durch den Rettungsdienst in maximal 20 Minuten erfolgen sollten.

Alle Feuerwehrmänner waren, unter der Leitung des stellvertretenden Gemeindebrandinspektors Oliver Schindler, nun angespornt, ihr Können an Schere, Spreizer und Säbelsäge unter Beweis zu stellen.

Zum Schulungskonzept gehört, wie man in kurzer Zeit eine Autotür öffnet. Jochen Conrad und sein Kollege Matthias Leister zeigten es. Nicht immer sei es notwendig, ein Auto komplett zu zerlegen. So genügte es nicht selten, eine große Öffnung an einer Fahrzeugseite zu schaffen, um den Patienten über ein Wirbelsäulenbrett schonend aus dem Wagen zu befreien.

Im Weiteren wurde geschult, wie eine Rettung durch das Heck erfolgen kann. Der Rettungsdienst hatte genügend Übungsmöglichkeiten, da fast jeder Feuerwehrmann erfahren wollte, wie sich ein Autoinsasse während der Rettung fühlt. Hierbei wurden von beiden Seiten viele Anregungen angenommen und umgesetzt.

Nach dem Mittagessen gab es eine Übung unter realistischen Bedingungen. Hierzu wurde eine Straße gesperrt und die zwei Schrottautos platziert. Als Insassen wurden von der Leiterin der »Notfalldarstellung« des DRK, Inka Litzenburger, einem Rettungssanitäter und einem Brandschützer aus Dorn-Assenheim mit spezieller Kittmasse und Kunstblut »Verletzungen« geschminkt.

Dann galt es, die Zusammenarbeit zwischen den zwei Feuerwehr-Löschgruppen und den zwei eingesetzten Rettungswagenbesatzungen zu üben. Hier übernahm ein weiterer DRK-Mitarbeiter die Überwachung des Funkbetriebs und die Übungsbeobachtung.

Unter den Augen des Gemeindevorstandes, des Feuerwehrvereinsvorsitzenden Joachim Schnabel und einiger interessierter Zuschauer traf zuerst ein Rettungswagen ein. Hier wurde schnell die Lage erkundet und versucht, beide Unfallopfer zu betreuen. Kurze Zeit später kam das erste Fahrzeug der Feuerwehr Nieder-Wöllstadt. In einer Lagebesprechung wurde das Vorgehen besprochen. Das Löschfahrzeug übernahm die technische Rettung mittels Schere und Spreizer. Der folgende Rettungswagen und das zweite Fahrzeug wurden in das Szenario einbezogen. Beide Insassen waren gemäß des geschultem Konzepts in 20 Minuten befreit und versorgt.

Im Anschluss stellte Wehrführer Klaus Schöniger den Zuschauern die Vorteile einer Säbelsäge anschaulich dar. Der Gemeindevorstand wolle sich dafür einsetzen, erfuhr man.

Quelle: Wetterauer Zeitung online vom 23.06.2010
Bilder: Sven Weber, FF Nieder-Wöllstadt